Von Christian Schmidt

GB_Kommunales_Gruen

Immer mehr Gemeinden erkennen, dass es für die Artenvielfalt wichtig ist, auf öffentlichen Flächen die Natur zurückzuholen. Sie wollen damit eine Vorbildfunktion gegenüber Ihren Mitbürgern wahrnehmen. So nahm ich als Sprecher des AK Umwelt & Natur der Agenda21 Sauerlach am 04.07.2018 in Eggenfelden im Landkreis Rottal-Inn am Regionaltag „Naturnahes öffentliches Grün“ teil, der vom Verein Naturgarten Deutschland veranstaltet wurde.

Hauptreferent war der Naturgartenplaner Dr. Reinhard Witt, der auch schon bei der Bepflanzung beim Bau des Kindergartens die Gemeinde Sauerlach beraten hat. Themen des Regionaltages waren insbesondere der ökologische Wert solcher neu angepflanzten nachhaltigen Flächen, die naturnahe Bauweise sowie der ökonomische Vorteil für den Gemeindehaushalt.

Die Stadt Eggenfelden hat 700 Quadratmeter Blumenwiesen angepflanzt, bei einem Herstellungsaufwand von 9.000 Euro – das sind 12,80 Euro/qm. Die jährliche Kosteneinsparung beträgt 3.000 Euro. In der Gemeinde Haar im Landkreis München wurden seit 1997 bis heute 52.000 Quadratmeter in Blumenwiesen umgewandelt. Die Kosten betrugen 40.000 Euro, dies entspricht 0,77 Euro/qm; Blumenrabatten mit einer Fläche von 306 Quadratmetern kosteten 57.000 Euro – dies entspricht 186 Euro/qm. Daten vom Gartenamt in Karlsruhe belegen, dass die Kosteneinsparung pro Jahr bei der Verwendung von naturnahem Wildblumensaum (nur 1x mähen und abräumen) gegenüber Schurrasen (10x mulchen) 68 Prozent beträgt. Die Gemeinde Grünwald hat im Dezember 2018 entschieden, 7.000 Quadratmeter in insektenfreundliche Blumenwiesen umzuwandeln und wendet dazu knapp 90.000 Euro auf.

Es muss ja nicht gleich diese Größenordnung sein, aber in Sauerlach hätten wir weitere Flächen, die sich anbieten würden, wie Verkehrskreisel, Verkehrsinseln und Straßenränder. Bislang gibt es in Sauerlach zwei Flächen, die vom Bund Naturschutz in Absprache mit der Gemeinde extensiv gepflegt werden, nämlich eine Kreiselfläche und der Grünstreifen neben der Straße nach Otterloh. Es gibt eine große Auswahl von Pflanzen, die die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigen. Die Erfahrung in den genannten Gemeinden hat ergeben, dass die Bürger diese Umwandlung in naturnahe Blumenwiesen positiv sehen und dem Beispiel im privaten Bereich teilweise folgen.

Der heiße, trockene Sommer 2018 hat gezeigt, dass der gemeindliche Bauhof häufig damit beschäftigt war, mit Blumenrabatten bepflanzte Flächen zu gießen, was bei einer naturnahen Blumenwiese nicht nötig wäre. Ein wichtiger Teil der Umsetzung der Maßnahmen ist die Schulung der kommunalen Bediensteten sowie die fachliche Begleitung der Planung. Hier wäre beispielsweise Dr. Reinhard Witt ein kompetenter Berater.

Ein Blick über den Tellerrand ins Nachbarbundesland Baden-Württemberg: Dort heißt das Projekt „Natur nah dran“. Von 2016 bis 2020 gestalten über 50 Kommunen im Rahmen dieses Projekts ihre Straßenränder, Mittelinseln oder Brachflächen in naturnahe Blühflächen um. Für Ihre Anstrengungen erhielten 20 Kommunen im letzten Jahr eine Urkunde. Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft sowie im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes. Einen interessanten Link hierzu finden Sie unter www.natur-nahdran.de.

 

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